BUND verleiht Forschungspreis zur Nachhaltigkeit

26.10.20
UmweltUmwelt, TopNews 

 

Von BUND

Bereits zum vierten Mal vergibt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) seinen Forschungspreis für wissenschaftliche Arbeiten zur Nachhaltigen Entwicklung. Verliehen wird der Nachhaltigkeitspreis in den Kategorien Dissertation, Masterarbeit und Bachelorarbeit. Der BUND verleiht die Preise im Rahmen der Online-Wissenschaftskonferenz „Wissenschaft in der Krise: Wissenschaftspolitik für Nachhaltige Entwicklung“. Eröffnet wird die Konferenz von Ernst Ulrich von Weizsäcker mit einem Vortrag zum Thema „Regenerative Transformation“.

Der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt erklärt zur Bedeutung wissenschaftlicher Arbeit für den BUND: „Wissenschaftliche Erkenntnisse und das Engagement von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sind für die inhaltliche Arbeit des BUND unverzichtbar. Ich freue mich, dass es uns zum vierten Mal in Folge gelungen ist, engagierte junge Menschen auszuzeichnen, die mit ihren Arbeiten die inhaltlichen Debatten des BUND beleben und einen wichtigen Beitrag im wissenschaftlichen Diskurs leisten.“

Die 59 eingereichten Bewerbungen sind ein Beleg dafür, dass bei den Lehrenden an Hochschulen und bei vielen jungen Forschenden ein Bewusstsein für die Notwendigkeit nachhaltiger und zukunftsfähiger Strategien vorhanden ist. Bandt: „Als Nachhaltigkeitsverband lebt der BUND von wissenschaftlicher Grundlagenforschung ebenso wie von anwendungsorientierter Forschung zu konkreten gesellschaftlichen Problemen unserer Zeit. Nur mithilfe der Wissenschaft lässt sich ein sozial-ökologischer Umbau der Wirtschaft und Gesellschaft erreichen und im politischen Diskurs durchsetzen.“

Joachim Spangenberg, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des BUND: „Ökologie und Nachhaltigkeit müssen gerade in Corona-Zeiten einen hohen Stellenwert in der Wissenschaftspolitik und in der Forschungsförderung haben. Nur auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse kann es uns gelingen Klimakrise, Artensterben und Ressourcenverbrauch zu begrenzen und den überfälligen Transformationsprozess effizient und sozial-verträglich zu gestalten.“ Mit Blick auf die Wissenschaftskonferenz fügt der Biologe, Ökologe und Ökonom Spangenberg an: „Die Forschungspolitik der Bundesregierung ist zu technikzentriert. Wir brauchen jedoch ganzheitliche Betrachtungen, dazu gehören wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Forschung ebenso wie bessere Wissenschaftskommunikation. Das muss sich auch im Zukunftspaket des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wiederfinden. Gute Beispiele dafür zeichnet der BUND-Forschungspreis aus, auch um die Perspektiven für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zu verbessern.“

Der BUND-Forschungspreis für Nachhaltigkeit ist im Bereich Dissertationen mit 2.500 Euro dotiert, im Bereich Masterarbeiten mit 1.000 Euro und im Bereich Bachelorarbeiten mit 500 Euro. Er wird von der BUND-Kommission Wissenschaftspolitik unter den Co-Sprechenden Katharina Ebinger, Rudi Kurz und Benjamin Nölting veranstaltet. Die Bewerbungsphase für den BUND-Forschungspreis 2021 läuft noch bis zum 15. Januar 2021.

Terminhinweis: Die Online-Konferenz „Wissenschaftspolitik für nachhaltige Entwicklung“ mit Verleihung der BUND-Forschungspreise findet heute, am 26. Oktober 2020, ab 13 Uhr statt. Anmeldungen bitte an presse@bund.net, Sie erhalten dann die Zugangsdaten.

Ausgezeichnet werden die folgenden Arbeiten:

Dissertation: Ausgezeichnet wird die Arbeit von Kirsten David, HafenCity Universität Hamburg (HCU), Architektur, Bauökonomie
Betreuer*innen: 
Reinhold Johrendt, Thomas Krüger
Thema: 
„Funktionales Kostensplitting zur Ermittlung von Mieterhöhungen nach energetischen Maßnahmen – Eine Handlungsempfehlung auf Basis.“
BUND-Gutachter Frank Ebinger, 
stellv. Arbeitskreissprecher Wirtschaft und Finanzen, schreibt: „Der BUND vertritt seine Interessen als Umwelt- und Naturschutzverband ‚auf der Basis ökologischer Erneuerung und sozialer Gerechtigkeit.‘ Im Themenfeld der Steigerung der Energieeffizienz des Gebäudebestands setzt er dabei auf ökologische Sanierungsmaßnahmen. Diese verursachen jedoch zumeist höhere Planungs- und Ausführungskosten als bspw. das häufig ausgeführte Wärmedämmverbundsystem mit Polystyrol-Hartschaum. Bei gegenwärtiger Anwendung des Rechts auf Mieterhöhung nach Modernisierung, welche ausschließlich die Kosten einer Maßnahme betrachtet, münden folglich ökologische Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz in höheren Mietpreissteigerungen und führen so zu einem Ungleichgewicht im Zieldreieck der Nachhaltigkeit. Das Funktionale Kostensplitting koppelt jedoch nicht nur die Baukosten, sondern auch den bautechnischen Sanierungserfolg an den Mieterhöhungsbetrag. Grundsatz ist, dass nur Kosten für tatsächliche Verbesserungen der Funktionalität des betreffenden Bauteils zu einer Mieterhöhung berechtigen. Verschlechtert also eine nachträgliche äußere Dämmung etwa die diffusions- und damit die feuchteschützenden Eigenschaften des Bauteils oder verbessert diese nicht, so mindert dies den Betrag der Mieterhöhung. Damit wird schon in der Planungsphase bei der Prüfung der Wirtschaftlichkeit des Vorhabens relevant, ob die angedachte Ausführungsvariante wirklich zu einer Verbesserung der Bauteilfunktionalität führt. Auf diesem Wege rücken ökologische Alternativen in den Fokus der InvestorInnen. Zusätzlich ermöglicht das Funktionale Kostensplitting das nachvollziehbare Quantifizieren der o.g. Sowieso-Kosten und bekräftigt so auch die Mieterschutzfunktion des § 559 Abs. 2 BGB. Die Argumentation des BUND für eine Ausführung ökologischer Sanierungsmaßnahmen wird mit der Anwendung des funktionalen Kostensplittings auch oder gerade unter Berücksichtigung ökonomischer Aspekte gegenüber beiden Mietvertragsparteien schlüssiger und einfacher.“

Masterarbeit: Ausgezeichnet wir die Arbeit von Thilo Wellmann, Humboldt Universität zu Berlin, Landschaftsökologie, Institut für Geographie
Betreuer*innen: Dagmar Haase, Angela Lausch
Thema: „Modelling the distribution of 44 urban bird species using Earth observation based plant trait indicators and machine learning.“
BUND-Gutachter Kai Frobel, Sprecher des BUND-Arbeitskreises Naturschutz, schreibt: „Der Zugewinn an wissenschaftlichen Erkenntnissen, aber auch der Verlust an Biodiversität ist heute schneller denn je. Was dabei dringend benötigt wird, sind Werkzeuge und Rahmenbedingungen, die es uns ermöglichen, unseren Wissensschatz besser zu integrieren und zu synthetisieren – die Wissenschaft in die Planung und größere politische Debatten einzubinden. Interaktive, nutzerfreundliche Webtools und Apps sind eine geeignete Möglichkeit, komplexe wissenschaftliche Erkenntnisse mit Methoden des maschinellen Lernens (auch ‚künstliche Intelligenz‘ genannt) für eine breitere Öffentlichkeit aufzubereiten. Für den BUND bietet dies einen zukünftigen Baustein, um die Folgen verschiedener Entwicklungen im urbanen Raum abzuschätzen. Aus den in der Masterarbeit errechneten Modellen wird die Software in Echtzeit die Auswirkungen von Veränderungen im urbanen Grün auf die Vogeldiversität, beziehungsweise das Vorkommen von einzelnen Arten berechnen. Somit können etwa die Auswirkungen einer Flächenversiegelung berechnet werden oder bestehende Gebiete mit Vegetation aufgewertet werden. Es können mit Hilfe der Anwendung auch alternative Standorte für Urbanisierungsprojekte gefunden werden, in denen die Beeinträchtigung des Vogelartenspektrums oder einzelner Zielarten weniger stark ausfällt, oder wo sogar eine Verbesserung der Habitateigenschaften erreicht werden kann. Da Vögel als Biodiversitätsindikatoren gelten, ist dies ein vielversprechender Ansatz für eine umfassende Analyse von Siedlungsgebieten.“ 

Masterarbeit: Ausgezeichnet wird die Arbeit von Lisa Kolde, Cusanus Hochschule, Ökonomie. Betreuer*innen: Reinhard Loske, Peter Hennicke
Thema: Die Governance des „Gerechten Strukturwandels“ - Empirische Untersuchung im Rheinischen Braunkohlerevier und Konzeptualisierung.
BUND-Gutachter Werner Neumann, Sprecher des BUND-Arbeitskreises Energie, schreibt: „Die vorliegende Arbeit analysiert politische Maßnahmen und Akteurskonstellationen im Rahmen des Braunkohleausstiegs und möchte damit insbesondere der Zivilgesellschaft eine Handreichung für ihr weiteres Vorgehen bieten. Die Frage, wie die Gelder des Bundes in den betroffenen Regionen eingesetzt werden, ist noch weitgehend ungeklärt. So fordern lokale Bürgerinitiativen etwa, das Rheinische Braunkohlerevier zu einem Ort der Umweltbildung zu machen. Die Jahre 2019 und 2020 stellen ein offenes Fenster für die politische Einflussnahme dar. Der BUND hat sich bereits durch die Beteiligung an der Kommission ‚Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung‘ als Vertretung der Zivilgesellschaft im Strukturwandel bewiesen. Der konkrete Fokus der Arbeit auf eine Region ermöglicht eine tiefgehende Analyse, wo eine Einbringung des BUND und anderen Organisationen und Initiativen sinnvoll und notwendig ist. Mit Rückgriff auf die Partizipationsforschung werden Vorschläge erarbeitet, wie die Zivilgesellschaft den Prozess des Strukturwandels effektiv mitgestalten kann.“

Bachelorarbeit: Ausgezeichnet wird die Arbeit von Anna Glindemann, Bauhaus-Universität-Weimar, Urbanistik.
Betreuer*innen: Mark Jentsch, Anton Brokow-Loga
Thema: Suffizientes Verhalten planerisch fördern.
Die BUND-Gutachterin Angelika Zahrnt, Ehrenvorsitzende des BUND, schreibt: „Die vorliegende Arbeit setzt sich mit einem Teil der Suffizienzpolitik, welche zugleich Forschungsgegenstand des BUNDs ist, auseinander und untersucht die Möglichkeiten, die der kommunalen Planung und Politik als Akteur zur Verfügung stehen. Anhand von planerischen, formellen sowie informellen, Instrumenten wird in der Arbeit aufgezeigt welche bedeutende Rolle die kommunale Planung innerhalb der Gestaltung von Suffizienz einnehmen kann. Es hat sich gezeigt, dass suffizienzfördernde Maßnahmen bislang kaum beziehungsweise aus anderen Beweggründen heraus umgesetzt werden. Aus diesem Grund gilt es die herausgearbeiteten Umsetzungsschwierigkeiten zu thematisieren und neue Lösungen für die Entwicklung von Kommunen finden.“

Mehr Informationen:
Über den BUND-Forschungspreis: www.bund.net/ueber-uns/forschungspreis
Über den Wissenschaftlichen Beirat des BUND: www.bund.net/ueber-uns/organisation/wissenschaftlicher-beirat 







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