„Hopper“ in Dreieich - das Luxustaxi kann den Linienbus ergänzen, aber nicht ersetzen

11.07.21
HessenHessen, News 

 

Von Bürger für Dreieich

„Der bereits im Ostkreis eingeführte ‘Hopper’ wird als völlig neue Option für den öffentlichen Nahverkehr gepriesen. Inzwischen befasst sich auch die Stadt Dreieich mit dem Thema und hat in einer Magistratsvorlage Stellung bezogen, die wir aber ablehnen werden“, erklären Natascha Bingenheimer und Tino Schumann von der Fraktion Bürger für Dreieich.

Die Stadt begrüßt in der Vorlage zur Stellungnahme die Weiterentwicklungen zum Thema ‘Hopper’ und will auf dieser Basis das Detailkonzept für Dreieich zeitnah gemeinsam finalisieren, das heißt, Dreieich fordert eine Präzisierung - insbesondere rund um Finanzfragen - und will eine Verschiebung der Einführung. Die Vorlage wird eine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung am 13.07.2021 erhalten.

Die Einführung im Westkreis ist in vollem Gange - so hat Langen bereits zugestimmt.

Das neue Angebot: der Hopper

„Es hört sich alles wunderbar an: Man bucht über eine App oder das Telefon einen geräumigen PKW, der als ‘modernes Anrufsammeltaxi’ von Haltestelle oder ‘point of interest’, wie dem Rathaus oder dem Ärztezentrum, zum Ziel führt. Praktisch direkt vor der Haustüre können die Bewohner bereits im Ostkreis - Hainburg, Mainhausen und Seligenstadt - durchstarten, ohne sich an einen Fahrplan halten zu müssen“, erläutert Bingenheimer.

„Kritisch nur: Das Angebot ist für den Kunden teurer als die normale Fahrkarte, kostet die Kommunen viel Geld (für Dreieich über 250.000 Euro jährlich), und wird schließlich in einer Erhöhung der Kreisumlage münden.“

Der ÖPNV zieht sich seit Jahren aus der Fläche zurück

„Seit Jahren ist zu beobachten, dass der ÖPNV sich aus der Fläche zurückzieht.“

„Busverbindungen wurden systematisch eingestellt und die ÖPNV-Versorgung vom Kreis an die Kommunen zurückgewiesen, die zum Teil mit der Einrichtung der AST Anrufsammeltaxis reagierten. Die Feinerschließung der Kommunen liegt schon heute am Boden, was sich in allen Ortsteilen auch von Dreieich beobachten lässt, zum Beispiel in Dreieichenhain oder in den Sprendlinger Ringen. Der Kreis konzentriert sich also seit Jahren auf so genannte ‘Schnellverbindungen’ oder die kommunenübergreifenden ‘Transitstrecken’ .“

Mit dem Hopper werden AST und Busnetz weiter eingeschränkt

„Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass die Städte die Gelegenheit nutzen werden, um bestehende und funktionierende ÖPNV-Angebote durch den Hopper zu ersetzen. Die Stadt Mühlheim überlegt offen, ob nicht der Stadtbus komplett abgeschafft werden kann, und die Stadt Langen gedenkt das AST abzuschaffen sowie das Stadtbusangebot um 10% reduzieren. Für die Stadt Dreieich ist im Gespräch, das AST abzuschaffen - der Stadtbus soll angeblich nicht angetastet werden.“ In der aktuellen Vorlage XVII/047 in Dreieich steht: „Aufgrund der aufgeführten Kosten und den bei einem Volllastbetrieb erwarteten jährlichen Verlusten des Hoppers wird die Einführung als zusätzliches ÖPNV-Angebot ohne entsprechende Substitution in den o.g. Verkehren [S- und Dreieichbahn, Regionalbussen, lokalen Stadtbussen und dem Anrufsammeltaxi] ausgeschlossen.“

Der Hopper: zusätzlich ja, - aber nicht als Ersatz für den ohnehin mageren ÖPNV

„Bereits jetzt gibt es also Ansätze, dass der Hopper das AST oder die Stadtbusverkehre ersetzen könnte. Das ist grundsätzlich abzulehnen, denn der öffentliche Bus hat ein größeres Platzangebot, fährt nach Fahrplan, ist eine Bringschuld und - fährt für die Nutzer viel billiger. Wer glaubt, den Teufel mit dem Belzebub austreiben zu können, der irrt“, erklärt Natascha Bingenheimer.

„Als rein zusätzliches Angebot ist der Hopper aber viel zu teuer - sowohl für die Kunden, als auch für die Kommunen.“

Bestehendes Bus- und Bahnnetz ausbauen - statt teurer Pilotprojekte

„Der Hopper kann als – irgendwie von allen Bürgern getragene „Luxusofferte“ allerhöchstens ein ergänzendes Angebot sein - aber nur bei einem funktionierendem und exzellent ausgebauten Bus- und Bahnnetz. Davon sind wir jedoch auch in Dreieich weit entfernt. Die Dreieicher Bustakte müssten verdichtet werden, die Strecken ausgeweitet, die Dreieichbahn pünktlich und zuverlässig fahren - das wäre die eigentliche Grundlage auch für die geforderte Verkehrswende.“

„Es macht eben keinen Sinn, regelmäßig fahrende Busse abzuschaffen, Takte auszudünnen, die Strecken dann, wenn überhaupt - mit einem AST zu bedienen, und dieses AST in der Folge ganz abzuschaffen, um ein Pilotprojekt durchzuziehen, das mit noch mehr Kosten die Feinerschließung leisten soll oder als Vorwand für die weitere Abschaffung von Stadtverkehren dient.“

Zur Vorlage:

https://dreieich.more-rubin1.de/vorlagen_details.php?vid=110406100048&suchbegriffe=XVII+047&select_koerperschaft=&select_gremium=&datum_von=2011-04-01&datum_bis=2021-06-30&entry=0&sort=&kriterium=vl







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